Portraits

Franz-Xaver Dettling

Die Dettling-Stiftung lebt von Franz-Xaver, seiner Geschichte und Vision. Doch wer ist er und was treibt ihn an? Hier stellen wir unseren Stifter vor.

Das Vermächtnis eines Dettling

Wir Schwyzer sind stolz auf unseren historischen Widerstandsgeist. Der Rütlischwur sitzt uns in den Knochen: „Wir wollen frei sein, (…) und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.“ Unser Stifter Franz-Xaver erlangte seine Freiheit ab 1998, als er den traditionsreichen Familienbetrieb – eine Weinhandlung mit Kirsch-Brennerei – nach und nach verkaufte. Was nachher folgte, seien die besten 25 Jahre seines Lebens gewesen, sagt er. 

Geld war nie Franz-Xavers wichtigster Antrieb. In das gemachte Nest seiner Ahnen zu sitzen, ging ihm gegen den Strich. Nach dem BWL-Studium hätte er stattdessen gerne bei der internationalen Unilever weitergearbeitet, wo er als Produktmanager gefördert wurde und mehr über Marketing lernte als an der Uni in St. Gallen. Doch Pflicht- und Familiengefühl überwogen. Er übernahm von seinem Vater die Firma Arnold Dettling und verschuldete sich gar für Jahre dafür. Franz-Xaver war von der Idee Alkohol zu verkaufen nie begeistert. Wenn schon, sollte es im gehobenen Segment und nicht im Massengeschäft sein. 

Schwierige Entscheidung 

Ende der 90er Jahre geriet der Handel mit Fremdmarken im Zuge der Globalisierung unter Druck. Auch die Trinkgewohnheiten veränderten sich mit der jüngeren Kundschaft. Süffige Mixgetränke fluteten die Verkaufsgeschäfte. Damit das Unternehmen überleben konnte, musste Franz-Xaver eine schwierige Entscheidung treffen. Der Anschluss an eine grosse, internationale Firma drängte sich auf. Dieser gelang mit Erfolg und die Zukunft des Unternehmens Dettling war gesichert. 

Berufung mit Familienanschluss 

Anstatt sich der Musse hinzugeben, startete Franz-Xaver nochmals durch und erkannte seine Berufung als Senior Expert bei Swisscontact. Die Stiftung setzt sich für eine nachhaltige, wirtschaftliche Entwicklung sowie Wohlstand in Entwicklungs- und Schwellenländern ein, stärkt die Kompetenzen von Einzelpersonen sowie die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Für die Swisscontact beriet Franz-Xaver KMU in Osteuropa, half beim Aufbau einer Brauerei in Bolivien und beim Online-Geschäft für Kaffee in El Salvador. Zwei bulgarische Unternehmen begleitet er seit ihrer Gründung vor rund 25 Jahren ehrenamtlich - mit Erfolg. Beiden Firmen ist mit ihren Qualitäts-Produkten der internationale Durchbruch gelungen. Obendrauf hat Franz-Xaver während dieser Zeit wertvolle Freundschaften geschlossen. Die eine bulgarische Inhaberfamilie ist ihm besonders ans Herz gewachsen. Dort erlebt er ein Gemeinschaftsgefühl, wie er es sich auch für die eigene Familie wünschen würde: Gebraucht werden, etwas bewirken können - und ab und zu auch ein ehrliches Dankeschön erhalten. Doch Franz-Xaver hat keine eigenen Kinder. 

Werte für die Nachkommen erhalten 

Er möchte dennoch weitergeben, was auch ihn stützt: Bildung, Verantwortung, Zusammenhalt. Sie führen zur Freiheit selbst zu entscheiden, wo und wie man sich engagiert. Für Franz-Xaver gehört dies zu den grössten Errungenschaften eines Lebens. 

Mit der Neugründung der Dettling-Stiftung 2017 will er jenen etwas ermöglichen, die den Namen mit Demut weitertragen. Die Dettlinge sollen eine gute Ausbildung geniessen, Unternehmen gründen und erfolgreich werden. Aber vor allem sollen sie erleben, wie wichtig der Zusammenhalt innerhalb der Familie ist und ihn als Teil ihrer Verantwortung begreifen. Mit diesen Zielen lässt er die Nachkommen Kaspar Dettlings (+1757) am Vermächtnis seiner Vorfahren teilhaben. Mit dem neuen Stiftungsrat erweitert er darüber hinaus die finanzierten Ausbildungswege und nimmt die Unterstützung von Start-Ups, Kunst- und Kulturschaffenden in den Stiftungszweck auf. 

„Die Familie ist das Rückgrat der Gesellschaft“, sagt Franz-Xaver, sie zu stärken, sein persönliches Anliegen. Mit der Dettling-Stiftung schliesst sich der Kreis einer „Schnaps-Idee“, die wahrscheinlich schon mit dem Urvater Anton Dettling (*1756) begann, der während der Franzosenzeit Kirsch brannte, um mit seiner Familie zu überleben. Das ist die Geschichte. 

Ein Blick in die Zukunft 

Die Stiftung lebt - solange Menschen sie lebendig halten. Mit ihr wurde ein Fundament gelegt, doch die Verantwortung, darauf weiterzubauen, liegt bei den kommenden Generationen. Wer heute gefördert wird, soll dazu beitragen, dass die Idee auch morgen noch trägt - ohne den heutigen Stifter. Das ist die Vision. 

Manches wird künftig anders sein: Namen ändern sich, Familienformen auch. Vielleicht heisst ein Destinatär in Zukunft auch Dettling-Meyer oder Dettling-Wu. Entscheidend ist: Wer sich zur Familie zählt, wer mitträgt, statt nur zu nehmen, der gehört dazu. Und wenn dann ab und zu ein ehrliches Dankeschön zurückkommt, in einem Brief oder einer Nachricht, dann freut sich der Stiftungsrat, weil es zeigt, dass das Feuer weiter brennt. 

Der Stiftungsrat dankt dem Stifter Franz-Xaver für sein grosses Herz, seine Weitsicht und sein Engagement für die Familie.

Franz-Xaver Dettling
Franz-Xaver Dettling

Steckbrief


  • Familienstamm: Anton (1756-1815)
  • Beruf: Geschäftsleiter, Unternehmensberater
  • Rolle in der Stiftung: Beirat, Stifter
  • Ausbildung: Betriebswirtschaft HSG
  • Geburtsdatum: 5. Mai 1946
  • Heimatort: Lauerz
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