04.09.2021
215 Jahre nach dem Bergsturz von Goldau haben 20 Dettlinge die Gesteinsmassen bestiegen, die 457 Menschen aus dem Leben rissen und für immer unter sich begruben. Irgendwo unter der gestürzten Rossberg-Spitze liegt auch die Stelle, wo unser Stammvater Ratsherr Kaspar einst sein Heim errichtete. Wo genau das war, haben wir auf einer Wanderung erkundet.
Kaspar Dettling liess sich vermutlich um 1700 in Buosingen bei Lauerz nieder, wo er 1757 verstarb. Damals war das Tal zwischen Rigi und Rossberg eine weite Fläche und der Aufstieg zu Berge ganz anders als heute. Die Dettlinge starteten an ihrem diesjährigen Sommer-Treff mit einem ruppigen Aufstieg von Goldau aus. Pius, Kassier der Stiftung, begrüsste die Gruppe am Fusse der Rigi, an der Chräbelstrasse. Er sprang als Wanderführer ein, nachdem Präsident Peter kurzfristig abgesagt hatte. Pius’ Bruder Armin betätigte sich als Chauffeur für die, die mit dem Zug kamen.
Pius’ Vater Willi erwartete die Wanderer nach dem Aufstieg am Aussichtspunkt. Der Hobbyhistoriker übernahm spontan die Aufgabe der Historikerin Angela, die ebenfalls kurzfristig abgesagt hatte. Während wir die Sicht auf den Lauerzersee und die Mythen bestaunten und Willis Erzählungen lauschten, schenkten seine Frau Anni und Tochter Doris Getränke aus. Ein herzliches Dankeschön an die engagierte Familie!
Die genaue Lage von Ratsherr Kaspars Grundstück ist bisher nicht bewiesen. Anhaltspunkte gibt uns die sogenannte Zay-Karte. Der Arther Arzt Karl Zay rekonstruierte und zeichnete nach dem Bergsturz die Verhältnisse, die vor dem Unglück herrschten, um das ganze Ausmass der Tragödie zu erfassen und darüber zu berichten. Auf der Karte, die Willi grossformatig drucken liess und effektvoll auf eine Staffelei stellte, ist gut sichtbar, dass der Weiler Buosingen in der Gegend des heutigen Goldseelis nordwestlich des Lauerzersees lag.

Eine Idee, wie die Landschaft vor dem Bergsturz ausgesehen haben könnte, geben die Erzählungen von Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe. Willi zitierte aus Schillers «Wilhelm Tell» und «Goethes Schweizerreisen». Beide Beschreibungen erwecken den Eindruck einer wegsamen Ebene. Für die Gruppe Dettlinge ging es bis zum Goldseeli erst mal wieder bergab und dann in Windungen an riesigen Gesteinsbrocken vorbei. Die Felsen sind Zeugen der gewaltigen Massen, die 1806 ins Tal donnerten.
Auf Zays Karte sind drei Höfe eingezeichnet, die im Gebiet Buosingen von Dettlingen bewohnt und verschüttet wurden. In Nummer 8, genannt Grossriedt, wurde die Familie von Melchior III, Sohn von Franz, dem 5. Sohn des Ratsherrn Kaspar vom Erdrutsch überrascht. Dieser Franz kam in Nummer 13, dem Hof «beim Brückli» ums Leben. In Nummer 9, dem «Haus des Richters Dettling», starben Johann (oder Josef) Kaspar und seine verwitwete Mutter. Johann Kaspars Vater war Melchior I, der älteste Sohn des Ratsherrn Kaspar. Im Haus 9 starben auch zwei Töchter von Franz, dem ältesten Sohn von Melchior I. Bedenkt man, dass der elterliche Hof üblicherweise an den ältesten Sohn weitergereicht wurde, müsste die Nummer 9 der Wohnsitz unseres Stammvaters gewesen sein. Bewiesen ist das jedoch nicht. Die Stiftung plant genauere Nachforschungen.

Stimmt die Annahme, dürfte hier der Hof von Kaspar Dettling und mit ihm die Erinnerungen an die Familiengeschichte vor 1806 unter Tonnen von Schutt begraben liegen.
