16.03.2024
Die Dettling Stiftung hat zum ersten Mal einen Preis für herausragende wissenschaftliche Arbeit verliehen. Geleistet hat sie die Historikerin Dr. Angela Dettling aus Schwyz.
1306 Seiten stark ist das Buch «Die Geschichte des alten Landes Schwyz» von Joseph Thomas Fassbind. Dass dieses bedeutende, historische Werk heute in gedruckter Form vorliegt, ist Dr. Angela Dettling zu verdanken. Zwei Jahre lang sei sie eingetaucht in die wilden Ereignisse des 18. Jahrhunderts im Kanton Schwyz und habe Wort für Wort Fassbinds Handschrift entziffert, erzählte die Historikerin am 16. März 2024 den 50 Dettlingen, die angereist waren, um bei der Übergabe des ersten Dettling-Stiftungspreises dabei zu sein.


Wie sie selbst in die alten Zeiten eintauchen kann, gelingt es ihr, ihre Zuhörerinnen und Zuhörer in den Bann der Geschichte zu ziehen. Sie erzählt, wie man sich den Geschichtsunterricht in der Schule gewünscht hätte. Auf einer Führung durch Schwyz gab Angela Dettling ihrer Familie eine Kostprobe ihrer Erzählkunst: Fast spürte man den Stolz der freien, unabhängigen Vorfahren, deren Scham über die ungerechte Verurteilung der angeblichen Hexe Anna Maria Schilter und die Schadenfreude, über die Unsummen, die der französische König den Schwyzern für Söldner zahlte, die noch vor Dienstantritt das Weite gesucht hatten.
Wie der Präsident Peter Dettling an der anschliessenden Preisverleihung im Rathaussaal sagte, zeichnet der Stiftungsrat zum ersten Mal eine beachtenswerte wissenschaftliche Leistung aus. Weitere mögen folgen.
Beirat Christoph Dettling fasste in seiner Laudatio das Schaffen und Wirken von Angela Dettling zusammen: Neben dem schweren Fassbind-Wälzer verfasste sie ein 30-seitiges Werk über das Schicksal der Dettling im Bergsturz von Goldau. Mit dieser Arbeit hat die Preisträgerin Wichtiges für die Familienforschung geleistet. Ihre Leidenschaft für Geschichte, lebt Angela Dettling auch in der Geschäftsführung der Aargauer Museen aus, wo sie für die Geschichtsvermittlung zuständig ist. Das macht sie mit Erfolg: So ist sie mit dafür verantwortlich, dass die Klosterhalbinsel Wettingen, das besterhaltene Zisterzienserkloster der Schweiz, für den europäischen Museumspreis (EMYA) nominiert wurde. Die Preisverleihung findet im kommenden Mai statt. Christoph Dettling überreichte der Historikerin eine Urkunde und schloss die Laudatio mit der Bemerkung: «Natürlich ist im Stiftungspreis auch ein Frankenbetrag enthalten.»


Angela Dettling freute sich über die Anerkennung: «Mein Grossvater und mein Vater wären stolz gewesen auf mich - und ich freue mich, dass die Stiftung endlich Frauen als gleichwertige Familienmitglieder akzeptiert.» Sie sprach damit den alten Stipendienfonds an, den Martin Dettling 1944 testamentarisch äufnete. Dieser unterstützte explizit nur männliche Angehörige der Familie. Als Martins Geld im 2017 aufgebraucht war, erfand sich die Stiftung neu. Mit Franz-Xaver Dettling als neuem Stifter, erweiterte sie den Kreis der Destinatäre auf alle mit Nachnamen Dettling, die Abkömmlinge des Stammvaters Kaspar aus Buosingen sind.
Geschichte vermittle man am spannendsten mit Geschichten über Menschen, verriet Angela Dettling das Geheimnis ihrer Erzählkunst. Die bisherigen Überlieferungen über Familienangehörige handeln ausschliesslich von Männern. «Es fehlt eine Frauengeschichte», sagte sie und ergänzte: «das Geld, das ich heute bekomme, werde ich gerne für Recherchen über Dettling-Frauen einsetzen.»
Dieser Artikel ist am 23. März 2024 in einer kürzeren Fassung im Bote der Urschweiz erschienen.
Autorin: Bernadette Dettling